
Togo und Musik
Musikbildung in Togo
Musik war schon immer ein fester Bestandteil des täglichen Lebens in Togo. Lange vor der Kolonialisierung gaben die Togolesinnen und Togolesen – wie viele andere afrikanische Völker auch – ihr musikalisches Wissen durch den Prozess der Enkulturation an ihre Nachkommen weiter. Dieser Begriff wurde erstmals von der amerikanischen Anthropologin Margaret Mead verwendet und beschreibt den Prozess, durch den eine Gemeinschaft einem Kind von Geburt an kulturelle Normen und Werte vermittelt.
Kinder lernen die Lieder, die ihre Mütter bei der Hausarbeit summen. Auch Hochzeitsfeiern, religiöse Rituale und Beerdigungszeremonien sind Gelegenheiten, bei denen Musik an die jüngere Generation weitergegeben wird.
Die Griots sind die Bewahrer traditioneller Lieder in Togo. Im Norden und im Zentrum des Landes gelten sie als Hüter der Geschichte vieler ethnischer Gruppen. Sie vermitteln ihren Nachkommen mündliche Überlieferungen und musikalische Kunst und werden dabei meist von der Tchimou (einer traditionellen Laute) oder dem Ngoni (einem dem Kora ähnlichen Instrument der Malinké) begleitet.
Die Voodoo-Klöster waren die ersten strukturierten Bildungseinrichtungen, in denen Musik in Togo gelehrt wurde. Die Eingeweihten lernten religiöse Gesänge sowie das Spielen von Instrumenten wie der Gon-Trommel oder der Rassel. Diese Form der Musikvermittlung war jedoch auf einen ausgewählten Personenkreis beschränkt und machte musikalisches Wissen nicht für die breite Bevölkerung zugänglich.
Musikunterricht in Schulen und Universitäten
Der Kontakt mit den Europäern veränderte die musikalischen Gewohnheiten der Togolesen tiefgreifend. Die ersten deutschen Missionare führten im 19. Jahrhundert Kirchenlieder, Chöre und das Harmonium ein. Die Missionare aus Bremen und Basel ermutigten die einheimische Bevölkerung, ihre traditionelle Musikkultur aufzugeben. So lernten die ersten christlichen Togolesen westliche Lieder und Musikinstrumente kennen.
Im Zuge der Bildungsreform von 1975 wurde Musik gemeinsam mit Kunst und Handwerk, Sport, Landwirtschaft und Hauswirtschaft in den Lehrplan aufgenommen. Musik galt als wichtiges Mittel zur Förderung von Disziplin durch rhythmische Übungen.
In der Praxis wurden Musik und andere Fächer jedoch meist nur als Wahlfächer an Mittel- und Oberschulen angeboten. Da es an Instrumenten und qualifizierten Lehrkräften mangelt, wird Musik nicht an allen Schulen unterrichtet. Ausnahmen bilden vor allem konfessionelle Schulen in der Hauptstadt, wie das Collège Notre Dame des Apôtres (NDA) und das Collège Protestant.
Der theoretische Musikunterricht beschränkt sich weitgehend auf die westliche Musikgeschichte. Gesang, Solfège (Gehörbildung und Notenlehre) sowie Musiktheorie sind die Hauptinhalte. Trotz des Mangels an Ausrüstung und Lehrkräften wird Musik in vielen weiterführenden Schulen über Schulchöre vermittelt. Diese stehen meist freiwilligen Schülerinnen und Schülern offen und werden nicht unbedingt von ausgebildeten Musiklehrern geleitet. Oft übernehmen Lehrkräfte mit persönlicher Leidenschaft für Musik diese Aufgabe.
Keine der beiden staatlichen Universitäten Togos – weder die Universität Lomé noch die Universität Kara – verfügt über einen eigenen Fachbereich für Musik. Dies erklärt den Mangel an qualifizierten Musiklehrkräften. Die wenigen Musiklehrer des Landes werden überwiegend in Ghana, Frankreich oder Deutschland ausgebildet.
Die Universität Lomé bietet musikalische Ausbildung ausschließlich über den Chor "Avenir" an. Nur die besten Sängerinnen und Sänger erhalten Zugang zu diesem Ensemble, das regelmäßig bei nationalen Feierlichkeiten auftritt.
Musikunterricht, private Einrichtungen und Kirchen
In Togo gibt es keine staatliche Musikschule. Allerdings bieten Privatlehrer Musikunterricht in ihren Wohnungen oder in Ausbildungszentren wie "La Belle Mélodie" an. Dessen Gründer, David Coquerel, begann zunächst mit Unterricht zu Hause. Aufgrund des steigenden Interesses gründete er im Oktober 1992 eine Musikschule.
"La Belle Mélodie" bietet Unterricht in Klavier, Saxophon, klassischer und moderner Gitarre sowie Gesang und Musiktheorie an. Dank einer Partnerschaft mit dem Konservatorium von Angoulême in Frankreich erhält die Schule regelmäßig Notenmaterial und pädagogische Unterlagen. Zudem entsendet das Konservatorium mindestens zweimal jährlich Musiklehrer nach Lomé, um ihr Wissen an junge Musikschüler weiterzugeben.
Gemeinnützige Organisationen engagieren sich seit etwa einem Jahrzehnten verstärkt in der Ausbildung an traditionellen Instrumenten. In Kpalimé, einem rund 120 Kilometer von Lomé entfernten Tourismuszentrum, bietet die Organisation "Carrefour International des Randonneurs au Togo" (CIR Togo) seit 2012 Kurse für Percussion und traditionelle Tänze an. Die Teilnehmer sind häufig Studierende aus westlichen Ländern. Die Vereinigung Amecaa bietet ähnliche Programme in der Hauptstadt an.
